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25.01.2012 19:45
Glorifizierung eines antideutschen Despoten als Krieger und Aufklärer - Preußenkönig Friedrich II.
Vor 300 Jahren wurde am 24.01.1712 im Stadtschloss der 60 000 Einwohner zählenden Mark Brandenburger Multikulti*- Stadt Berlin ein Thronfolger geboren. Berlin war Hauptstadt des preußischen Königsreichs geworden, obwohl das Kurfürstentum Mark Brandenburg damals formal nur noch eine Provinz des Königreich Preußen war, welches seinerseits nicht zum 'Alten Reich' (Heiligen Römischen Reich) gehörte.  JWD

Friedrichs prunk liebender Großvater Friedrich I. benutzte die vom königlichen Polen zugesicherte Souveränität des Herzogtum Preußen, um dessen Erhöhung zum Königreich zu erlangen. Dafür verpflichtete er sich nach langwierigen Verhandlungen zu einer hohen Geldzahlung an den habsburgischen Reichskaiser Leopold I. Eine weitere Bedingung  war die Teilnahme am Spanischen Erbfolgekrieg von Kaiser Leopold gegen Frankreich. Sofort nach der Übereinkunft 1701 krönte sich Friedrich I. eigenhändig zum König in Preußen.

Die eingeschränkte Titulatur 'in' und nicht 'von' war notwendig, weil sich die zugestandene Königswürde nur auf das außerhalb des Reiches liegende Herzogtum Preußen bezog. In der neueren Geschichtsschreibung schneidet der selbst gekrönte Friedrich I. so schlecht nicht ab. Sein Interesse am Reich war wohl eher gering und hauptsächlich darin begründet, dass er seine Soldaten an den Kaiser vermietete, um seinen hohen Finanzbedarf zu bewältigen.

Als Friedhelm I. 1713 verstarb hinterließ er seinem Sohn und Nachfolger Friedrich Wilhelm I. einen hohen Schuldenberg. Soldatenkönig Wilhelm krempelte das Staatswesen völlig um und steckte fortan alles Geld in den Aufbau einer riesigen Armee.

 „Mein Vater fand Freude an prächtigen Gebäuden, großen Mengen Juwelen, Silber, Gold und äußerlicher Magnifizienz – erlauben Sie, dass ich auch mein Vergnügen habe, das hauptsächlich in einer Menge guter Truppen besteht“. (Friedrich Wilhelm I., in einer Ansprache an seine Minister; berichtet vom holländischen Gesandten Lintelo**). Das Zitat ist sicherlich übersetzt, denn er selbst beherrschte Deutsch nicht und Sprach ausschließlich französisch.

Als absolutistischer Herrscher übernahm Wilhelm die Staatsgeschäfte selbst. Sein Wort war Gesetz, ohne jeglichen Widerspruch verlangte er absoluten Gehorsam. Wilhelm hatte einen unerschütterlichen Gottesglauben, den er auch mit der damals üblichen Engstirnigkeit vertrat.

Mit einer 80 000 Mann starken Truppe wurde Preußen zur viertstärksten europäischen Militärmacht. Trotz seines Militarismuswahn hatte er Krieg nicht als Mittel der Politik gesehen und nur einen kurzen Feldzug geführt. Er war ein Mensch mit Widersprüchen. Friedliebender Monarch sowie ein heilloser Militarist, er war schreckenverbreitend, misstrauisch, brutal, geizig und liebevoll, entgegenkommend, ehrlich und großzügig. Er war ein Despot à la russe und ein tief religiöser, gottesfürchtiger Mensch, intellektuell eher bescheiden ausgestattet. In seiner Engstirnigkeit hatte Willhelm fast seinen eigen Sohn hingerichtet, nur weil dieser als 18jähriger dem Druck seiner Erziehung nicht stand hielt und zu Verwanden nach England fliehen wollte. Der König sprang wohl über seinen Schatten und ließ zum einzigen mal Gnade walten. So wurde nur der am Fluchtversuch beteiligte Freund vor den Augen des Kronprinzen geköpft.

Friedrich II. - das große Missverständnis
Nach Wilhelms Tot wurde der zwischenzeitlich 28 jährige Sohn im Jahr 1740 als Friedrich II. zum König gekrönt. Preußens starke Militärpräsens und der pralle Finanzsäckel den der Vater hinterlassen hatte, nutzte der junge König um schon kurz nach der Thronbesteigung bis dato friedliche Nachbarn zu überfallen und verwickelte das Land in einen Krieg nach dem Anderen. Wo sich eine Gelegenheit bot sein Land zu vergrößern schlug er zu. Das war seine Art Außenpolitik zu machen. Der als mutmaßlich feingeistige Philosoph und Aufklärer eingeschätzte König zeigte seinen wahren Charakter. Und wenn Friedrich auch ein genialer Feldherr gewesen sein mag, er war genauso sehr Hasardeur, ein Spieler, der alles auf eine Karte setzte: seine Armee, ja den Fortbestand seines Landes, schreibt Frank Pommer in einem Zeitungsbericht der Rheinpfalz vom 24.01.2012.

Ein aufgeklärter Despot? [..] (Quelle: Mehrings am 26.01.1912)
In allen Zweigen seiner Herrschertätigkeit hat er – mit einziger Ausnahme der Rechtspflege, wo er einige Anläufe zu Reformen machte, um schließlich doch wieder in der launenhaftesten Kabinettsjustiz zu versumpfen – durchaus auf der historisch rückständigen Seite gestanden, und wer seine Geschichte irgendwie kennt, wird es nur als beißenden Hohn empfinden, wenn er als Muster eines aufgeklärten Despoten gefeiert wird.

Nichts hat ihm mehr am Herzen gelegen, als den feudal-mittelalterlichen Kastenstaat mit den drei erblich geschiedenen Ständen der Junker, der Bauern und der Bürger aufrechtzuerhalten. Wenn es anders die Sache des aufgeklärten Despotismus war, die bürgerliche Entwicklung zu fördern, um eine Stütze gegen den Adel zu gewinnen, so hat Friedrich die Städte abgewürgt, um den Adel zu hätscheln und ihn mit noch immer mehr Vorrechten zu überhäufen, [..]. Sowenig wie den Städten half er den Bauern gegen die Junker; höchstens dem junkerlichen “Bauernlegen” suchte er gewisse Schranken zu setzen, um Rekruten für sein Heer und Steuerzahler für sein Säckel zu behalten.[..]

Die Geistesknechtschaft feierte nirgends solche Orgien wie unter dem Zepter dieses weisen Herrschers. [..]

Wie nun aber erklären, dass der Name dieses Königs bei alledem immer einen gewissen populären Klang behalten hat. [..] ? [..] Unter dem verkommenen Fürstengesindel seiner Zeit war Friedrich in seiner Art ein ganzer Kerl, und ebenso ragte er über seine Vorgänger und Nachfolger in der Geschichte der Hohenzollern empor. Er trieb sein schlechtes Handwerk wenigstens mit Eifer und Ernst, der den zeitgenössischen Sultanen vollkommen fremd geworden war; das Glück machte ihn nicht übermütig, und das Unglück trug er mit einer Standhaftigkeit, die gewiss respektabel war [..]

Sowenig er im historischen Sinn ein aufgeklärter Despot gewesen ist, so sehr war er es in persönlichem Sinn. [..] Er gebrauchte die Religion als despotisches Machtmittel, [..]. Allein für seine Person war ihm alle Religion höchst widerwärtig. [..] [Quelle: nds.de ..hier]

Der gesamte Artikel Mehrings vom 26.01.1912 ist frei im Internet zugänglich ..hier


Friedrich II. war absolutistischer Gewaltherrscher - er war kein Aufklärer.
Der französisch erzogene, selbstsüchtige Despot hatte sich im Hofstaat mit französischen Literaten und Gelehrten umgeben. Nachdem er De Voltaire 1750 während eines kurzen Aufenthaltes in Paris persönlich kennen gelernt hatte, lud er diesen nach Potsdam ein. Voltaire erhielt das gut dotierte Amt eines Königlichen Kammerherrn und wurde behandelt wie ein hochrangiger Gast. Aber bereits 1751 gab es erste Spannungen.

Nachdem Voltaire 1753 eine Äußerung Friedhelms zu Ohren kam: „J’aurai besoin de lui encore un an, tout au plus; on presse l’orange et on en jette l’écorce“ (Ich brauche ihn noch höchstens ein Jahr; man presst die Orange aus und wirft die Schale weg), bat Voltaire anlässlich einer weiteren Meinungsdifferenz um Entlassung aus seinem Hofamt.

Es wurde ihm ein Kuraufenthalt verordnet. Nachdem Voltaire auch während der Kur seine Meinung kund tat, wurde er von Friedrich unehrenhaft entlassen. In Frankfurt am Main kam es auf betreiben Friedrichs zu einer unfreiwilligen Unterbrechung der Heimreise. Voltaire wurde in seinem Hotel unter Hausarrest gestellt und in erniedrigender Weise eine Woche lang verhört. Als Vorwand wurde unbegründet behauptet, er hätte ein Manuskript von Friedrich gestohlen.

Friedrich als Aufklärer zu bezeichnen wäre 'den Bock zum Gärtner gemacht'.
Der Aufklärer Voltaire kämpfte für die Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz, nicht für die Gleichheit von Status und Besitz. Er war der Meinung, dass es immer Arme und Reiche geben werde. Als Staatsform favorisierte er die Monarchie, an deren Spitze er sich einen „guten König“ wünschte. Einen solchen glaubte er bis zum Zerwürfnis in Friedrich II. zu sehen. Er wurde eines Besseren belehrt.

Wirkliche Aufklärer in Preußen seiner Zeit, wie Emanuel Kant, Johann Georg Hamann, Johann Gottfried Herder, Moses Mendelssohn, oder Gotthold Ephrahim Lessing beachtete und unterstützte der Preußenkönig nicht. Lessing schreibt 1769 an Nicolai, der von Friedrich regierte Staat sei schlicht das "bis auf den heutigen Tag sklavischste Land Europas". Johann Joachim Winkelmann: "Es schaudert mich die Haut vom Haupte bis zu den Zehen, wenn ich an den preußischen Despotismus und an den Schinder der Völker denke".  Auch Goethe hatte Friedrich II. nie persönlich gesehen. Joachim Nettelbeck schrieb von heillosen, unmenschlichen Zuständen und grausamsten Misshandlungen, denen die Landeskinder des 'Alten Fritz' ausgesetzt waren. (Die Strafe des Räderns wurde in Preußen erst am 19.10.1811 abgeschafft). [Quelle: Wir Untertanen, Bernd Engelmann S.30-37]

Hemmungsloses Hausmachtstreben, Ausbeutung und Unterdrückung
Nicht "allgemeinen Leistungswillen" sondern in erster Linie ein hemmungsloses Hausmachtstreben der Hohenzollern und in dessen Gefolge Ausbeutung und Unterdrückung. Dies gelte besonders für die friderizianische Epoche. Damals "lebten die allermeisten preußischen Untertanen ... nicht viel besser als die Negersklaven auf den Plantagen Amerikas".

[..] Ein Krückstockdespot, dem es "um die Aufrechterhaltung der Herrschaft seiner Klasse, der Monarchie mit dem König als Symbolfigur" ging "und den aufgepflanzten Bajonetten gut gedrillter Garderegimenter als einzigem Mittel der Verständigung mit den Massen, falls diese aufbegehren wollten".  [Quelle: Bernd Engelmann]

Friedrich II. (der Große), Abgott der Nationalisten, war vor allem eins: Er war kein Deutscher König, er konnte und wollte noch nicht einmal deutsch reden und fühlte sich nie zu den Deutschen bzw. den deutschen Ländern hingezogen! In seinem bis 1918 als Staatsgeheimnis verschwiegenem politischen Testament empfahl er seinen Nachfolgern explizit, sich im Interesse Preußens mit Frankreich und allen Feinden des Kaiserreichs zu verbinden. In den Deutschen sah er die ärgsten Feinde und wollte schon gar nicht die Vereinigung der Deutschen Kleinstaaten. Mehr als die Hälfte seiner unterjochten Zwangs-Preußen waren Nichtdeutsche. Die meisten davon waren Polen.***

Auch bei Anrechnung seiner angeblichen Wohltaten, die sich bei genauer Betrachtung als reiner Eigennutz herausstellen,  gibt es keine Veranlassung, sein Leben in irgend einer Art und Weise zu würdigen. Er hat einen Obrigkeitsstaat hinterlassen,  wie es wohl schlimmer noch keinen gegeben hat. Die Armut, Unterdrückung und Not des gemeinen Volkes war nicht mehr zu steigern.

Friedrichs Verbrechen waren einfach zu viele. Der Umstand, dass andere Despoten seiner Zeit ähnlich rigoros, eigennützig und machtbesessen ihre Untertanen drangsalierten, macht sein Tun nicht besser. Der preußische Militarismus und die preußische Großmannssucht gepaart mit Menschenverachtung war Saat und deshalb die Ursache allen Übels, genau so, wie es Winston Churchill 150 Jahre später formuliert hatte, nachdem 100 Millionen Kriegsopfer zu beklagen waren. Preußens Geister sollte man in der Flasche belassen und keine Geschichtsfälschung betreiben. Die gleiche Seuche brauchen wir nicht noch einmal!!


*) Multikulti: Berlins Einwohnerzahl schrumpfte zum Ende des 30jährigen Krieges (1648) um 50% auf 6.000 Einwohner. Zur Wiederbevölkerung hatte Kurfürst Friedrich, der Urgroßvater von Friedhelm II., mit großzügiger Gesetzgebung Immigranten von überall her angelockt. Überwiegend Glaubensflüchtlinge sind eingewandert. Mehr als 15000 Hugenotten kamen so nach Berlin und stellten lange Zeit die größte Bevölkerungsgruppe. Von 1680 bis 1712 wuchs Berlin auf ca. 60.000 Einwohner. 1740 wurden bereits 80.000 Einwohner gezählt (Soldaten eingeschlossen). Mehr Info
..hier

**) Quelle: Wikipedia

***) Wir Untertanen - Ein Deutsches Geschichtsbuch Teil 1 - von Bernd Engelmann S.175,

Friedrich I. (*11.7.1657 +25.2.1713) selbstgekrönter König in Preußen 1701-1713 | mehr Info
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Friedrich Wilhelm I. (*14.8.1688 +31.05.1740)  König in Preußen 1713-1740   | mehr Info
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Friedrich II. (der Große)  (*1701 +17.8.1786) König in Preußen 1740-1771 | König von Preußen 1772-1786  | mehr Info
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Nachtrag 15.02.2013

Jutta Ditfurth* zu "Preußischen Tugenden und Friedrich dem Großen" bei Anne Will (Ausschnitte)
Anne Will: "Der erste Diener des Staates - fehlen uns heute die preußischen Tugenden des Alten Fritz?" ARD, 2012

Link zum Video bei Youtube ..hier
Youtube

Screenshot


Gäste: Jutta Ditfurth, Richard von Weizsäcker u.a.

Anmerkung: Auf dieses Video bin zufällig beim Recherchieren gestoßen. Es handelt sich um Redebeiträge von Jutta Ditfurth bei einer Talksshow der Anne Will GmbH, die in der ARD gesendet wurde. Ditfurts Äußerungen sind sehr hörenswert und dürften zum Besten gehören, was aus der Gegenwart im Zusammenhang mit dem 'Alten Fritz' Preußens veröffentlicht ist.


*) Jutta Ditfurth (Geburtsname Jutta Gerta Armgard von Ditfurth; * 29. September 1951 in Würzburg) ist eine deutsche Sozialwissenschaftlerin, Publizistin und Politikerin. [..]

Ditfurth entstammt dem Adelsgeschlecht derer von Ditfurth. Sie ist die Tochter des Arztes und Wissenschaftsjournalisten Hoimar von Ditfurth und der Fotografin Heilwig von Raven. Ihr Bruder ist der Historiker und Romanautor Christian v. Ditfurth. 1978 versuchte sie, ihren Namen ändern zu lassen, dies wurde abgelehnt. Sie nennt sich Jutta Ditfurth. In einem Interview mit dem Magazin Stern 1999 sagte sie, sie habe auch die Aufnahme in den Adelsverband im Alter von 18 Jahren abgelehnt, da sie von elitärem Denken abgestoßen werde. [..]
[Quelle: Wikipedia ..hier]

 
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