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01.06.2013 23:20
Protestzug gestoppt - Polizei nimmt Blockupy auseinander
Nur eine Stunde lang zogen mehr als 7.000
Blockupy-Aktivisten durch Frankfurt, dann schob die Polizei einen Riegel vor und
kesselte etwa 400 vermummte Teilnehmer ein. Die Demonstranten reagierten wütend.
Es gab mehrere Verletzte. [hr-online.de] JWD
Die Lage bei der Blockupy-Demo in der Frankfurter Innenstadt ist noch immer
angespannt. Die Polizei führte ab dem späten Nachmittag hunderte Demonstranten
einzeln ab und nahm ihre Personalien auf. Darunter waren mehrere Abgeordnete der
Linkspartei, die als Parlamentarische Beobachter mitgelaufen waren. Aus dem
sogenannten schwarzen Block heraus seien Beamte angegriffen worden, unter
anderem mit Feuerwerkskörpern und Farbbeuteln. Außerdem seien die Aktivisten
vermummt und mit selbst gebastelten Schildern "passiv bewaffnet" gewesen, hieß
es zur Begründung. [..]
Weiterlesen im Originalartikel bei ' hr-online.de '
..hier
Link zur Bildergalerie bei ' hr-online.de '
..hier
Link
Anmerkung: Am Freitag Abend besuchte ich eine Veranstaltung in
Frankfurt. Auf dem Weg zu Fuß vom Parkplatz zur 'Alten Oper' war starke
Polizeipräsenz zu sehen. Das Deutsche-Bank-Hochhaus war vollständig abgeriegelt.
Weit und Breit nur Polizei. Ein Grund dafür war nicht erkennbar. Der Rückweg
führte gegen 23 Uhr am Willi-Brandt-Platz vorbei. Auch dieser Platz war vollständig mit
Absperrgittern umstellt. Aus dem Auto heraus konnte ich sehen, wie Polizisten
damit beschäftigt waren, Stacheldrahtrollen über den Absperrgittern anzubringen.
Wenn ich heute aus den Nachrichten erfahre, dass genau an diesem, am Vortag als
Menschenfalle gut
präparierten Platz, ca. 400 - 1000 Menschen eingekesselt und bis zu 10 Stunden
festgehalten wurden (sogar die Toilettenhäuschen waren schon gerichtet), weil
Demo-Teilnehmer angeblich gewalttätig gewesen sein sollen, dann schreit dies
nicht nur so zum Himmel, sondern stinkt auch gewaltig nach behördlicher Willkür,
SA-Methoden und Obrigkeitsstaat mit Weißem Terror schwarzer Politgangster.
Wahrscheinlich waren die Provokateure, die an der richtigen Stelle einen
bengalischen Feuerwerkskörper zündeten, auch von der
Polizei. Stuttgart 21 lässt grüßen.
Am Tag danach (Nachtrag):
02.06.2013 [Quelle: hr-online.de]
Nach Blockupy-Demo - Parteien streiten über Polizeieinsatz
Die politische Debatte um den Polizeieinsatz bei der Blockupy-Großdemo in
Frankfurt hat begonnen: Die Landtags-CDU lobt das Sicherheitskonzept, die SPD
fragt nach der Verhältnismäßigkeit, die Grünen fordern eine Stellungnahme von
Innenminister Boris Rhein (CDU). [..]
Am Sonntag bilanzierte die Polizei: Die Blockupy-Organisatoren hätten Vorschläge
zur Fortsetzung der Demonstration ohne die mit Platzverweis belegten rund 900
Eingekesselten abgelehnt. Eine Polizistin sei mit einem Pflasterstein, ein
Kollege mit einem Schraubenzieher angegriffen, insgesamt seien 21 Beamte
verletzt worden. Darauf sei mit dem Einsatz von Schlagstöcken und Pfefferspray
reagiert worden. 45 Demonstranten wurden demnach festgenommen. Unter den rund
7.000 Teilnehmern sei der Polizei ein Verletzter bekannt. [..]
Die Organisatoren der Demonstration beklagten am Sonntag wie schon während des
stundenlang festgelaufenen Protestzugs "die offensichtlich politisch motivierte
Untergrabung der Demonstrationsfreiheit durch die Polizei". Blockupy-Sprecherin
Ani Dießelmann sprach von "brutalen Knüppeleinsätzen der Polizei". Skandalös
sei, "dass die Exekutive offensichtlich geplant Gerichtsurteile faktisch außer
Kraft setzt". Rund 200 Demonstranten seien verletzt worden.
Die Demonstrationsroute sollte am Hochhaus der Europäischen Zentralbank (EZB)
vorbei durch die Frankfurter Innenstadt führen und am Samstagnachmittag in einer
Kundgebung vor dem EZB-Turm enden. Der Hessische Verwaltungsgerichtshof in
Kassel hatte die Route gegen den Wunsch der Stadt erlaubt.
Eingekesselt: Polizei blockiert Blockupy
Die Blockupy-Organisatoren feierten andererseits ihre Aktionen zivilen
Ungehorsams gegen die Euro-Krisenpolitik als gelungen. Dass Aktionen verhindert
werden sollten, sei nicht hinzunehmen. "Blockupy kommt wieder", kündigte
Sprecher Martin Sommer an. [..]
Die innenpolitische Sprecherin der SPD, Nancy Faeser, fragte nach der
Verhältnismäßigkeit des Polizeieinsatzes: "Menschen einzukesseln und über
Stunden ihrer Freiheit zu berauben, darf nur in Ausnahmefällen erfolgen. [..]
Die Landtags-Grünen forderten ebenfalls von Rhein eine Stellungnahme im
Innenausschuss. "Uns stellen sich Fragen zum Vorgehen der Polizei und zur
Strategie vor Ort", teilte ihr innenpolitischer Sprecher Jürgen Frömmrich mit.
Der Landeschef der hessischen Linken, Ulrich Wilken, der an der
Demonstration teilgenommen hatte, sprach von "Angriffen einer Polizei-Armada auf
die Blockupy-Demonstranten". Die Polizei habe die gerichtlich erlaubte
Demonstration unterbunden. "Der 1. Juni 2013 war ein rabenschwarzer Tag für
die Demokratie in Deutschland und Europa", so Wilken.
Der ebenfalls mitdemonstrierende Linken-Bundestagsabgeordnete Niema Movassat
berichtete, zweimal hätten Polizisten seinen Abgeordnetenausweis als Fälschung
gewertet. Der Vorsitzende der südhessischen Jungsozialisten (Jusos), Christian
Heimpel, warf der Polizeiführung ein aggressives und "absolut
unverhältnismäßiges Vorgehen" vor und forderte den Rücktritt von
Innenminister Rhein.
Feldmann: "Situation im Kessel sehr bedauerlich"
Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) nannte im Gespräch mit dem
Hessischen Rundfunk "die Situation im Kessel sehr bedauerlich" und fügte hinzu:
"Die Kritik der Veranstalter am Verhalten der Polizei habe ich wahrgenommen. Sie
erscheint mir in vielen Punkten zunächst glaubwürdig." [..]
Auch Reporter berichten von Polizeigewalt
Reporter verschiedener Medien vor Ort berichteten ebenfalls vom harten
Durchgreifen der Polizei. Katharina Iskandar von der "Frankfurter Allgemeinen
Zeitung" schrieb, von Gewalttätigkeiten sei das Verhalten der Anhänger
radikaler Gruppen innerhalb des Blocks "weit entfernt" gewesen.
Ein Autor der "Frankfurter Rundschau" formuliert im Liveticker der Zeitung: "In
der Neuen Mainzer Straße reißt Polizei ohne erkennbaren Grund zwei Männer zu
Boden und verhaftet sie." hr-online-Reporter Frank van Bebber, der ebenfalls
von den Protesten berichtet hat, sagte: "Auch mir hat sich vor Ort die
Verhältnismäßigkeit des Polizeieinsatzes nicht erschlossen. Zumindest stellen
sich viele Fragen."
Die Proteste des Bündnisses richteten sich in diesem Jahr gegen die Großbanken,
die Krisenpolitik der Europäischen Union, aber auch gegen Abschiebungen und
Fluglärm vom Flughafen. Das kapitalismuskritische Blockupy-Bündnis will auch im
kommenden Jahr seinen Protest nach Frankfurt tragen. [..]
Weiterlesen im Originaltext bei ' hr-online.de '
..hier
Nachtrag:
03.06.2013
Eskalation und Kessel offensichtlich von langer Hand geplant
Eskalation und Kessel offensichtlich von langer Hand geplant / Polizeiführung in
Wiesbaden geht nicht auf weit reichende Angebote der Demonstranten ein:
Die Polizei geht derzeit grundlos gewaltsam gegen die eingekesselten Teilnehmer
der Blockupy-Demo vor. “Die Strategie der Polizei ist offensichtlich: Sie will
eskalieren. Die Demonstranten sind der Polizei in den Verhandlungen weit
entgegen gekommen, die Polizeiführung in Wiesbaden lehnt trotz weit gehender
Angebote der Demonstrierenden jede Kooperation ab”, sagte Blockupy-Sprecher
Roland Süß. “Die politische Verantwortung für die Verhinderung der genehmigten
Demonstration liegt in Wiesbaden.”
Die Eingekesselten hätten sich bereit erklärt, von der Polizei beanstandete
Gegenstände zurück zu lassen. Selbst die Demo-Route entlang dem Mains habe die
Demo-Leitung unter Protest akzeptiert. Doch die Polizeileitung in Wiesbaden
lehne jede Deeskalation ab und bestehe darauf, alle eingekesselten Demonstranten
Leibesvisitationen und Gepäckkontrollen zu unterziehen. Als die Demonstranten
diese Schikane zurückwiesen und auf ihrem Recht bestanden, die Demonstration
gemeinsam zu Ende zu führen, griff die Polizei die Demonstration mit
Pfefferspray und Schlagstöcken an.
“Alles deutet darauf hin, dass diese Eskalation von der Polizeiführung in
Wiesbaden von langer Hand vorbereitet worden und der Kessel an dieser Stelle von
vornherein geplant worden ist”, sagte Blockupy-Sprecherin Ani Dießelmann. So
seien etwa die Dixie-Toiletten für die Eingekesselten innerhalb weniger Minuten
vor Ort gewesen. “Die standen offenbar schon passend bereit.”
Die Polizeiverantwortlichen vor Ort dürfen nicht mit der Demo-Leitung sprechen.
Einziger Ansprechpartner für die Demo-Leitung ist die Polizeileitung in
Wiesbaden. [..]
Link zum Originalartikel bei ' blockupy-frankfurt.org '
..hier | Webseite Blockupy. Bündnis
..hier
Hinweis 16.10.2026: Die Links zu Bockupy-Frankfurt sind gemäß Mitteilung vom
16.10.2026 nicht mehr aktuell und führen zu einer anderen Webseite. Die neue
Domain lautet:
blockepyfrankfurt.de-html.com
Link zum Artikel der FAZ vom 01.06.2013 - Schwerverletzte bei
Blockupy Demonstration -
..hier
02.06.2013
Offenbarungseid der Demokratie
Als wir am vergangenen Freitag aufbrachen, um bei Blockupy gegen die Troika und
die Macht der Banken und Konzerne zu diskutierten, freuten wir uns auf ein
lebendige und kreative Demonstration. [..]
Was wir bei Blockupy erlebten, war, dass die demokratischen Grundrechte der
Bevölkerung, das Recht auf friedliche Demonstration und Meinungsäußerung, das
durch die Entscheidung des Verwaltungsgerichts bestätigt worden war, auf die
Entscheidung des hessischen Innenministeriums hin von der Polizei unterwandert
wurde und stattdessen die politischen Ansichten der hessischen Landesregierung
durchgeprügelt wurden – und zwar von der Polizei.
Diese filmte, kontrollierte, prügelte auf friedlich demonstrierende Menschen ein
und hielt sie davon ab, sich auf verfassungskonforme Weise kritisch gegenüber
dem Staat und seiner Politik zu äußern.
Die Demokratie gerät unter die Räder jener Krise und ihrer Austeritätspolitik in
der EU, ein solches Verhalten von Polizei und Politik entspricht dem, was man
einen Polizeistaat nennt. Blockupy als Testfall für die Demokratie hat gezeigt,
dass unsere demokratischen Grundrechte nichts mehr wert sind.
Weiterlesen im Originalartikel bei ' diefreiheitsliebe.de '
..hier
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