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24.07.2018  10:30
Avaaz startet eine Schmierenkampagne
und macht sich damit selbst lächerlich

Avaaz weiß Bescheid. An diesem Wochenende hat die umstrittene Online-Campaigning-Plattform eine neue Kampagne mit dem marktschreierischen Titel “Die schockierende Wahrheit über Trump – und die Beweise” lanciert. Zahlreiche unserer Leserinnen und Leser waren schockiert und wiesen uns auf dieses Pamphlet hin. Darin behauptet man unter anderem, Trump sei “ein russischer Geldwäscher” und es sei nun klar, dass er “mache, was Putin ihm sagt”.... [Quelle: nds.de] JWD

Von Jens Berger   |  Quelle: nds.de   |  23.07.2018 |  vorlesen ..hier

 
Quelle: Sputniknews (verlinkt)
...Avaaz begründet dies mit “einem Stapel an Beweisen für Trumps lange Komplizenschaft mit russischen organisierten Kriminellen”, die bei näherer Betrachtung allesamt Luftnummern sind, und holt dann zum großen Rundumschlag gegen Putin aus, der “Chemiewaffen einsetzt, Menschen ermordet und in der Ukraine eingefallen ist”. Die Grenzen zwischen Kampagnenjournalismus á la BILD, dummdreister Internettrollerei und unfreiwilliger Satire verschwimmen bei Avaaz immer mehr. Zumindest eines ist nun klar – Avaaz braucht niemand. Die NachDenkSeiten warnen hiermit ausdrücklich vor dieser unseriösen Plattform.

Trump ist ein russischer Geldwäscher und tut, was Putin ihm sagt. Diese steile These will Avaaz mit einem “Stapel an Beweisen” belegen und veröffentlicht in der Kampagnenbegründung die “Top 5” dieser “Beweise”. Schauen wir uns diese fünf “Beweise” doch mal an.
  1. Der Trump Tower Toronto und der “russische Hauptgeldgeber”, der weder Russe noch Geldgeber ist

    Laut Avaaz hat Donald Trump das Geld für den Trump Tower in Toronto von einem “russisch-kanadischen Milliardär” bekommen, der wiederum das nötige Kapital über Bestechungsgelder von einer Bank bekommen hat, deren Präsident Wladimir Putin ist. Das klingt wirr und ist es auch. Zum einen wurde das “Trump International Hotel and Tower Toronto” weder von Donald Trump gebaut, noch gehört es ihm oder einer seiner Firmen. Trump verdient sein Geld – ähnlich wie die Hotelkette “Hilton” – durch die Lizensierung von Namensrechten und das Management von Hotels. Daher kann er auch kein Geld von einem russisch-kanadischen Milliardär bekommen haben. Dieser Milliardär hat vielmehr das Hotel als Verantwortlicher der Firma Talon International Developement selbst gebaut. Dieser Milliardär ist übrigens kein Unbekannter. Alex Shnaider ist laut Forbes-Liste einer der reichsten Kanadier. Richtig – er ist ein kanadischer Staatsbürger, der zwar 1968 in Leningrad geboren wurde, aber bereits mit vier Jahren mit seinen Eltern nach Israel auswanderte und von dort aus im dreizehnten Lebensjahr nach Kanada weiterzog und dort als Geschäftsmann sehr erfolgreich war. Sein größter Coup war sicher die Übernahme eines ukrainischen Stahlwerkes im Jahre 1999. Man darf auch durchaus davon ausgehen, dass dies nicht so sauber und transparent vonstatten ging, wie man sich dies wünschen könnte. Mit Trump oder Putin hat dieser Vorgang, an dem die Ukraine und eine Investmentfirma mit Sitz auf der Kanalinsel Guernsey, die Shnaider zum Teil gehört, jedoch nichts zu tun.

    Trumps Hotelkette hat “lediglich” das Management des Hotels im neu gebauten Wolkenkratzer übernommen und dem Betreiber die Namensrechte “Trump Tower” gegen Gebühren eingeräumt. Der Toronto Star erklärt das Projekt mit dem griffigen Satz – Warum jeder Investor mit dem Trump Tower Toronto Geld verloren hat und Donald Trump dennoch Millionen verdiente. Das ist zwar alles recht halbseiden, aber vollkommen legal.

    Und Putin? Jetzt wird es skurril. Offenbar sind Shnaider die Baukosten aus dem Ruder gelaufen und er musste einen Teil des ukrainischen Stahlwerks verkaufen, um neue Kreditlinien für den “Trump Tower Toronto” zu bekommen. Die Käufer für die Geschäftsanteile haben wiederum ihre Kaufsumme von der russischen Förderbank bekommen, die ähnlich wie die deutsche KfW staatlich ist und der laut Satzung der russische Ministerpräsident vorsteht. 2010 war dies Wladimir Putin. Der Zusammenhang zwischen dem Hotelbetreiber Trump und dem Aufsichtsratsvorsitzenden einer Förderbank, die den Geschäftspartnern von Trumps Vermieter in Toronto einen Kredit gegeben hat, ist derart dürftig und an den Haaren herbeigezogen, dass man gar nicht glauben kann, dass dies von Avaaz ernsthaft als Beweis angeführt wird. Man kann wirklich nur noch den Kopf schütteln.

  2. Trumps Haus im Palm Beach und ein Trick aus dem “Geldwäsche-Milieu”, über den jeder Geldwäscher herzlich lachen würde

    Trump kauft “sein” Haus in Palm Beach für 41 Millionen Dollar und verkauft es dann für fast 95 Millionen Dollar an einen russischen Oligarchen weiter. Das kann laut Avaaz ja nur “ein typischer Trick im Geldwäsche-Milieu” sein. Doch weit gefehlt. Was Avaaz hier beschreibt, ist vielmehr eine sehr erfolgreiche Immobilienspekulation. Trump hat das – im übrigen fürchterlich hässliche – Anwesen in Palm Beach bei einer Zwangsversteigerung im Jahre 2004 für 41 Millionen Dollar ersteigert und nur vier Jahre später an den Geschäftsmann Dmitry Rybolovev, ein gebürtiger Russe, der heute Zypriot und somit EU-Bürger ist und in Monaco lebt, für 95 Millionen Dollar weiterverkauft. Was daran nun ein “typischer Trick im Geldwäsche-Milieu” sein soll, weiß nur Avaaz. “Typisch” ist in diesem “Milieu”, dass man eine Immobilie zu einem sehr geringen offiziellen Preis kauft und den Rest der Kaufsumme mit schmutzigem Geld inoffiziell – oft in bar – zuschießt. Wenn man die Immobilie dann zum regulären Preis weiterverkauft, ist die gesamte Summe offiziell, das schmutzige Geld also gewaschen. Aber genau das ist hier ja nicht der Fall, da der Verkauf ja eine öffentliche Zwangsversteigerung war.

    Man könnte höchstens spekulieren, dass der Weiterverkaufspreis zu hoch war – das hätte dann aber überhaupt nichts mit Geldwäsche zu tun. Und man darf auch bezweifeln, dass Rybolovev überhaupt ein schlechtes Geschäft gemacht hat. Das teure Haus stand nämlich auf einem riesigen 6,4-Hektar-Anwesen mitten in teuerster Lage am Strand von Palm Beach. Rybolovev ließ das Haus mittlerweile abreißen und hat das Grundstück in drei handlichere Parzellen aufgeteilt, von denen zwei schon für mehr als 70 Millionen Dollar verkauft sind. Am Ende dürfte also auch er mit einem ordentlichen Gewinn aus der Sache gehen. Was dies alles mit Geldwäsche, mit organisiertem Verbrechen, mit Russland oder gar mit Putin zu tun haben soll, weiß jedoch nur Avaaz.

  3. Briefkastenfirmen, Mafiosi und Oligarchen in Soho

    77% der Wohnungen im Trump Tower im New Yorker Stadtteil Soho sollen laut Avaaz von “mysteriösen Unternehmen bar gekauft” worden sein und mindestens 13(!) Menschen, die mit “russischen Oligarchen oder Mafiosi in Verbindung stehen”, sollen “in Trumps Liegenschaften leben”. Ei der Daus! Ob das stimmt, ist schwer zu beantworten. Wer soll schon wissen, wie viele der tausenden Menschen, die in einem Trump-Hochhaus leben, mit Oligarchen bekannt sind. Sicher mehr als 13, aber das soll nichts heißen, denn es ist letztlich irrelevant, da die Story am Kern der Sache vorbeigeht. Auch das Immobilienprojekt “Trump Soho” wurde nicht von Trump finanziert. Bauherr und späterer Besitzer war ein Konsortium aus drei Unternehmen mit Sitz in New York und London, deren Besitzer Alexander Mashkevich (ein israelischer Oligarch, kasachischer Herkunft), Tamir Sapir (ein US-Amerikaner, georgischer Herkunft) und Tevfik Arif (ein türkischer Oligarch, kasachischer Herkunft) sind. Trumps (s.o.) Geschäftsmodell war auch beim “Trump-SoHo-Projekt”, seinen Namen zu lizensieren und das Hotel dann zu betreiben. Dafür bekam er in diesem Fall eine Beteiligung von 18% am Gebäude.

    Keinen der genannten Herren – allesamt übrigens Milliardäre – könnte man ernsthaft als “rechtschaffenen Geschäftsmann” bezeichnen. In der Folge gab es auch zahlreiche Prozesse von geprellten Anlegern gegen die Bauherren. Dass Trump kein Vorzeigeunternehmer, sondern eher eine halbseidene, schillernde Figur ist, ist wohl auch unstrittig. Aber was das alles nun mit Geldwäsche, mit Russland oder gar mit Putin zu tun haben soll und wo hier ein “Beweis” für was auch immer vorliegt, ist dennoch unerklärlich.

  4. Felix Sater – ein lupenreiner Mafioso und FBI-Kronzeuge

    In puncto Organisierte Kriminalität ist da der vierte “Beweis” schon wesentlich aussagekräftiger. Der von Avaaz genannte Felix Sater ist in der Tat ein krummer Finger, der für Trump zeitweise als Berater (beim Immobilienprojekt “Trump SoHo”) tätig war. Auch Sater ist jedoch kein Russe, sondern Amerikaner, der zwar 1966 in Moskau geboren wurde, allerdings bereits im frühesten Kindesalter nach Israel und vor 44 Jahren in die USA ausgewandert ist. Dort studierte er und wurde Immobilienmakler mit engen Verbindungen zur Organisierten Kriminalität in Gestalt der sogenannten “Russen-Mafia” – einer mafiösen Organisation aus russisch-israelischen Einwandererfamilien in New York. Mit Trump kam er über den türkisch-kasachischen Bauunternehmer Tevfik Arif in Verbindung. Pikant ist jedoch, dass Sater seit 1998, als er bei einem 40-Millionen-Dollar-Betrug der “Russen-Mafia” erwischt wurde, als Informant und Kronzeuge für das FBI tätig ist und dafür sogar um eine Haftstrafe herumkam.

    Was genau der Mafioso Sater mit Trump zu tun hat, ist weitestgehend unbekannt. Seine “Beratertätigkeit” liegt zumindest zeitlich (2010) weit nach seiner Mafia-Verurteilung (1998). Ein vorbildlicher Geschäftsmann hätte sich mit derart halbseidenen Gestalten wie Sater sicher nie eingelassen; aber Trump war und ist ja auch kein vorbildlicher Geschäftsmann. Ein “Beweis” für Geldwäsche ist dies jedoch noch nicht einmal im Ansatz. Und warum es hier auch noch um “russische Geldwäsche” gehen soll, bleibt vollends im Dunkeln. Genau so wie die angebliche Verbindung von Sater zu Putin, für die es nicht einmal Indizien gibt.

  5. Trump Casinos – ein klassisches Vehikel für Geldwäsche?

    Beim fünften “Beweis” scheint Avaaz bereits die Luft auszugehen. Trump hat Casinos betrieben, so viel ist bekannt. Und Casinos sind laut Avaaz “ein klassisches Vehikel für Geldwäsche”. Das mag sein. Dass Trumps Casinos sich nicht an bestimmte Vorgaben zum Schutz vor Geldwäsche gehalten haben, ist ebenfalls bekannt. Ist er deshalb ein Geldwäscher? Was hat das mit “russischem Geld” zu tun? Und was mit Putin? Nichts. Es ist wirklich albern.


Quelle: nds.de (verlinkt)

    Teilweise noch abstruser sind die konstruierten Querverbindungen zwischen Trump und Putin, die in der verlinkten Sekundärliteratur vorgenommen werden. In einem Fall „beweist“ das US-Magazin Politico beispielsweise eine Verbindung zwischen den beiden Staatschefs, weil Trump-Sohn Donald Jr. mal auf einem Kongress eine Rede gehalten hat, die von einer Organisation veranstaltet wurde, der ein Franzose vorsteht, der Putin mal für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen hat. Außerdem kennt seine Tochter Ivanka wohl eine Dame, die Roman Abramowitsch kennt, der Putin kennt. Und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner soll sich doch tatsächlich im Trump Tower schon mal mit dem russischen US-Botschafter getroffen haben. Das sollen „Beweise“ dafür sein, dass Putin Trump kontrolliert? Sie lachen? Ich auch. Wäre der Kontext nur nicht so traurig.
Das große Putin-Bashing ohne Sinn und Verstand

Nach diesen “Beweisen”, von denen nur ein einziger – und dies nur sehr abstrakt und an den Haaren herbeigezogen – überhaupt etwas mit Russland oder Putin zu tun hat, dreht Avaaz so richtig rund. In einem schier unglaublichem Stakkato setzt man zum ultimativen Putin-Bashing an – in einer Form, gegen die selbst die BILD noch vergleichsweise seriös gelten kann …
    Putin ist ein ehemaliger Offizier des sowjetischen Geheimdienstes KGB. Er hat Chemiewaffen eingesetzt, Menschen in anderen Ländern ermordet, ist in der Ukraine eingefallen, hat die Krim besetzt das MH17-Flugzeug mit über 300 Menschen an Bord abgeschossen und einem mörderischen Regime in Syrien geholfen. Er hat Schläge und Folter für Schwule geduldet, hat seinen eigenen Bürgern bis zu 200 Milliarden Dollar gestohlen, hat Wahlkämpfe im Ausland gehackt und, wie die Nato es formuliert, die größte hybride Kriegsführung der Geschichte zur Untergrabung westlicher liberaler Demokratien begonnen. Es wird auch allgemein angenommen, dass er die Ermordung russischer Journalisten und Kritiker angeordnet und Hunderte von russischen Zivilisten bombardiert hat, um einen Terroranschlag vorzutäuschen und einen Krieg in Tschetschenien zu rechtfertigen.
    Quelle: Avaaz
Was dieses Bashing und was generell diese “Kampagne” soll, ist dabei komplett schleierhaft. Avaaz bittet seine Nutzer, diesen Unsinn per Mail, Skype, Facebook usw. weiterzuverbreiten, um was zu erreichen?

Schon in der Vergangenheit ist uns Avaaz als „Wurmfortsatz der US-Propaganda“ aufgefallen, als man dort eifrig für eine Ausweitung des Krieges in Syrien trommelte. Wir können Sie, liebe Leserinnen und Leser, nur eindringlich vor dieser „Kampagnen-Plattform“ warnen. Wer derartige faktenresistente Falschinformationen publiziert und seine Nutzer boshaft für dumm verkauft, ist kein „Kampagnen-Netzwerk“ (Eigenbeschreibung), sondern eine Propaganda-Schleuder. Wenn Sie nähere Informationen zu Avaaz haben, schreiben Sie uns doch bitte unter recherche@nachdenkseiten.de.

Link zum Originaltext bei ' nachdenkseiten.de ' ..hier  |  Download (mp3)

 

Passend zum Thema:

23.07.2018 [Quelle: Luftpost-KL]
Stellt endlich den Propagandakrieg gegen Russland ein!
Der bekannte US-Autor und Friedensaktivist Norman Solomon fordert die US-Medien auf, ihren Propagandakrieg gegen Russland einzustellen.

Von Norman Solomon   |  Quelle: thruthdig   |  16.07.2018  |  Übersetzung: Luftpost-KL



Screenshot  |  Quelle: Luftpost-KL

Während des ganzen Tages vor dem Gipfel in Helsinki trug die Titelgeschichte auf der Website der New York Times die Überschrift: "Just by Meeting With Trump, Putin Comes Out Ahead" (Allein durch das Treffen mit Trump kommt Putin ganz groß raus, s. ..hier). Diese Titelschlagzeile vom Sonntag bestimmte auch den Ton der anderen US-Nachrichtenmedien. Den Vogel schoss dabei die Washington Post mit ihrem Leitartikel ab, in dem der russische Präsident Wladimir Putin "als unversöhnlicher Gegner der USA" bezeichnet wurde. (Der Art. ist aufzurufen ..hier .)

Die Geringschätzung der diplomatischen Beziehungen zu Russland hat ein unvorstellbares Ausmaß erreicht. Journalisten des US-Mainstreams und führende Demokraten ziehen vereint über den US-Präsidenten Donald Trump her. Hillary Clinton rechnete sicher mit Beifall, als sie am Sonntagabend twitterte: "Präsident Trump muss sich vor seinem Treffen mit Putin fragen lassen, ob er eigentlich weiß, für welches Team er spielt?"

Die kriegslüsterne Einstellung gegenüber Russland ist inzwischen so weit verbreitet und so selbstverständlich geworden, dass sie niemand mehr auch nur eine Sekunde lang in Frage stellt, und das macht sie besonders gefährlich. Als Präsident George W. Bush er - klärte: "Wer nicht für uns ist, muss als Gegner betrachtet werden!", erkannten noch viele US-Bürger, was an dieser manichäischen (undifferenzierten) Weltsicht falsch war. Diese Haltung ist inzwischen noch viel gefährlicher geworden (weil sie heute nicht mehr in Frage gestellt wird).

Seit Anfang 2017 betreiben die US-Massenmedien fast nur noch politisches "Chiaroscuro". Dieser Begriff ist aus der Malerei entlehnt und bedeutet Schwarz-Weiß-Malerei; nach Wikipedia zeichnet die sich " durch starke Hell-Dunkel-Kontraste", also durch Betonung von Gegensätzen aus. Beim Russiagate-Wahnsinn geht es hauptsächlich darum, einen Konflikt zwischen den "engelsgleichen, bedrohten USA" und dem "finsteren, bedrohlichen Russland" herbeizureden.

Deshalb werden ständig neue, aus selektiven Fakten konstruierte Storys über Russland verbreitet (um das Land und seinen Präsidenten in ein schlechtes Licht zu rücken). Mit ähnlichen, auch aus selektiven Fakten gebastelten Storys ließen sich auch die US-Ameri - kaner als "Teufel" und die Russen als "Engel" darstellen. Regierungen und ihnen hörige Medien sind dazu allemal in der Lage. Der große Journalist I. F. Stone [s. ..hier (und ..hier )] hat dazu schon vor längerer Zeit festgestellt: "Weil Regierungen lügen, sollt man ihnen überhaupt nichts glauben." Mit anderen Worten: Vertrau - en Sie keiner Story, die Sie nicht selbst überprüft haben!

Die größten Lügen entstehen häufig durch Verschweigen. In den US-Medien werden wichtige Tatsachen überhaupt nicht erwähnt – zum Beispiel, das nach dem Fall der Berliner Mauer gegebene und schon bald danach gebrochene Versprechen, die NATO nicht nach Osten zu erweitern und schon gar nicht bis zur russischen Grenze auszudehnen (s. ..hier und ..hier ), die dreiste Einmischung der US-Regierung in die Wahl des russischen Präsidenten im Jahr 1996 [s. ..hier ], der 2002 erfolgte einseitige Rücktritt der US-Regierung aus dem ABM-Vertrag oder die Tatsache, dass die USA mehr als 800 Militärbasen im Ausland betreiben, Russland aber nur neun.

In dem für das Überleben der Menschheit auf diesem Planeten äußerst wichtigen offenen Brief, der letzte Woche in dem US-Wochenmagazin The Nation veröffentlicht wurde (s. ..hier ), ist zu lesen: "Kein erhoffter oder tatsächlich zu erzielender politischer Vorteil (für die Demokraten oder die Republikaner) könnte die katastrophalen Folgen rechtfertigen, die einträten, wenn auch nur ein Bruchteil der in Atomwaffenarsenalen der USA und Russlands gelagerten Bomben und Raketen zum Einsatz käme. Die unausgesprochene Annahme, eine weitere Verschlechterung der Beziehungen zwischen den USA und Russland hätte keinen Einfluss auf die Überlebenschancen der nachfolgenden Generationen, ist total falsch."

Zu den anfänglich 26 Unterzeichnern des offenen Briefes "Gemeinsam für sichere Wahlen und wirkliche Sicherheit" gehören der Whistleblower Daniel Ellsberg, die Autorin und Feministin Gloria Steinem, der ehemalige Botschafter bei den Vereinten Nationen und frühere Gouverneur Bill Richardson, der politischer Analyst Noam Chomsky, die ehemalige CIA-Offizierin für verdeckte Operationen Valerie Plame, der führende Aktivist Rev. Dr. William Barber II, Filmemacher Michael Moore, der ehemalige Nixon-Anwalt John Dean, der Russland-Experte Stephen F. Cohen, der ehemalige US-Botschafter in der Sowjetunion Jack F. Matlock jr., die mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Autoren Alice Walker und Viet Thanh Nguyen, die Herausgeberin des Magazins The Nation Katrina vanden Heuvel, der ehemalige Senator Adlai Stevenson III, die lange Jahre dem Verteidigungsausschuss des Repräsentantenhauses angehörende Abgeordnete Patricia Schroeder und auch ich.

Seit seiner Veröffentlichung vor fünf Tagen wurde der in eine Petition umgewandelte offene Brief bereits von mehr als 30.000 Menschen unterzeichnet. Mit der Unterschriftensammlung [die aufzurufen ist ..hier] soll erreicht werden, dass "der US-Wahlprozess im digitalen Zeitalter besser gegen Hackerangriffe jedweder Art geschützt ... und die Spannungen zwischen den beiden größten Atommächten durch konkrete Schritte abgebaut werden".

Wir brauchen eine grundlegende Veränderung der Einstellung der USA zu Russland. Diese Veränderung wird weder von den Republikanern noch von den Demokraten im Kongress ausgehen; sie muss von US-Bürgern ausgehen, die ihre Stimme erheben. Ihr eigenes Leben und die Existenz künftiger Generationen hängen von einer Verbesserung der Beziehungen zwischen Washington und Moskau ab.

Viele Unterzeichner der Petition haben sich auch persönlich geäußert. Ich möchte einige Beispiele anfügen, die mir besonders gut gefallen:

     * Aus Nevada: "Wir alle teilen uns den selben Planeten! Wir sollten gemeinsam für unsere Sicherheit sorgen, damit wir uns nicht gegenseitig in die Luft jagen."

    * Aus New Mexico: "Die Erde würde einen Atomkrieg nicht überleben. Die Waffen, über die wir heute verfügen, können viel größere Zerstörungen anrichten als die früherer Zeitalter. Wir müssen einen Weg zu Einigung finden."

    * Aus Massachusetts: "Es ist unausweichlich, geeignete Schritte zum Schutz unserer Wahlen und zur Verhinderung eines globalen Atomkrieges zu unternehmen."

    * Aus Kentucky: "Sichere Wahlen sind die Grundvoraussetzung eines demokratischen Systems. In einem Atomkrieg verlören sie aber ihren Sinn."

    * Aus Kalifornien: "Wer zum Krieg gegen andere hetzt, kann nur wahnsinnig und grenzen - los überheblich sein – angesichts der gefährlichen Waffen und möglicher Irrtümer, die uns im letzten Jahrhundert mehrmals an den Rand des Untergangs gebracht haben."
Trotzdem versuchen die Medien und besonders der von der Russiagate-Story geradezu besessene TV-Sender MSNBC [s. ..hier / und ..hier], immer noch, sich gegenseitig in ihrem antirussischen Hurrapatriotismus zu übertreffen. Dabei marschieren sie in virtuellem Gleichschritt mit Superfalken der republikanischen Partei wie den Senatoren John McCain und Lindsey Graham. Für Martin Luther King jr. waren solche Kriegstrommler vom "Wahnsinn des Militarismus" befallen.

Und Dr. King hat damals auch gesagt: "Jetzt können wir noch zwischen gewaltloser Koexistenz oder gewaltsamer Auslöschung wählen."

(Wir (Luftpost-KL) haben den Artikel komplett übersetzt und mit Ergänzungen und Links in runden Klammern versehen. Die Links in eckigen Klammern hat der Autor selbst eingefügt. Infos über ihn sind ..hier nachzulesen .)

Link zum Originaltext bei ' luftpost-kl.de ' (PDF) ..hier

 
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