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24.06.2026  00:00 | Teilen
„Unseredemokratie“ gibt es
schon viel länger als Sie glauben

Lassen sich das Zündeln mit dem Feuer und die Kriegstreiberei in Osteuropa noch entschärfen? Oder können England und die europäischen Nato-Länder die Ukraine ungestört weiter aufrüsten und womöglich mit eigenen Truppen in den Krieg gegen Russland eingreifen? - Dafür müsste natürlich in der Breite der Bevölkerung der Eindruck erhalten bleiben, dass aus London wieder die Guten kommen wie die Diplomaten, die 1919 den „Friedensvertrag“ mit uns in Versailles unterschrieben, und 1947, als die Alliierten das Land Preußen aufgelöst haben, das London... [Quelle: anderweltonline.com]   JWD

....zweihundert Jahre vorher zur Großmacht als Gegengewicht gegen die Habsburger Monarchie aufgebaut hatte.

Von  Reinhard Leube   |  Quelle: anderweltonline.com  | 20. Juni 2026


 
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Dagegen möchte ich mit meiner Bücherserie über das neunzehnte und zwanzigste Jahrhundert etwas tun. Sie erscheint Band für Band seit 2018 im Münchener AnderweltVerlag und trägt die Titel:

„Londoner Außenpolitik und Adolf Hitler. Gibt es einen blinden Fleck?“

„Atemberaubend. London und Deutschland in den Jahren 1933 bis 1937“

„Septemberrevolution. London und Deutschland 1938“. Hier geht es unter anderem um die Rolle Londons, wo verhindert wurde, dass deutsche Militärs und Diplomaten Hitler wegen seines Plans zum Angriff auf die Tschechoslowakei vor ein Gericht stellen oder dass sie den Master of the Universe in einer Psychiatrie unterbringen lassen können.

„God Save the Fuehrer. London und Europa 1939“

„Katz-und-Maus-Spiele. Europa in den Jahren 1940 bis 1941“

Im Band „Katz-und-Maus-Spiele“ bringe ich auf den Punkt, was Joachim Fest über die Planungen wichtiger Widerstandsgruppen im Reich Adolf Hitlers zusammengetragen hat. Als Kernaussage bleibt eine tief sitzende Skepsis gegenüber ihren Mitmenschen spürbar. Für die Zeit nach Hitler hielten sie laut Fest eine halbwegs autoritäre Führung für unerlässlich. Verbunden damit war die Idee einer weitgehenden Entpolitisierung der breiten Bevölkerung. Sie wissen ja aus eigener Erfahrung, dass das in der Bundesrepublik gelungen war. Für die Zeiten nach Hitler hatten diese Widerständler alle eine durchgehend demokratieskeptische Tendenz. In diesen Kreisen wurden Wahlen noch Jahre nach dem Ende des Regimes abgelehnt. Sie hielten es für abwegig, die künftige Ordnung dem Urteil des Volkes zu überantworten. Wer sich heute über die Kungelei in der Sphäre der demokratischen Inzucht wundert, hat Joachim Fest nicht gelesen. Ohne die vererbte Einstellung der Hauptakteure wäre die Brandmauer jetzt nicht möglich. Wenn man die Herkunft Unsererdemokratie kennt, wundert man sich nicht mehr, warum für diese verschworene Gemeinschaft jeder Kritiker ihrer gedanklichen Schnellschüsse immer gleich ein Nazi ist.

Bei dem sogenannten Kreisauer Kreis rund um James Graf von Moltke beispielsweise waren nach den Recherchen von Joachim Fest Worte wie Parteienzersplitterung und Parteienegoismus inzwischen bloß noch Alpträume. Alt-Kanzler Helmut Kohl orakelte in seinem Memoirenband in schönster kindlicher Unschuld, dass von den wenigen Überlebenden des Kreisauer Kreises sehr viele den Weg zur Christlich Demokratischen Union gefunden haben und dass das Berliner wie auch das Kölner Gründungsdokument der CDU sehr stark von Gedankengut aus dem Kreisauer Kreis geprägt waren. Kein Wunder, dass sich unter den Beratern Adenauers Männer aus dem Kreisauer Kreis wiederfanden. Hatten die Verhüllungsmedien nicht immer erzählt, dass in Bonn nach Hitler jeder Bordstein braun war?

Für diese Kreise rund um Adenauer bestand die Lösung, wenn man Sebastian Haffner glaubt, in der Zerlegung des Reiches Otto von Bismarcks in zwei kleinere Staaten, um das riesige Deutsche Reich als Zielscheibe der Londoner Konkurrenzangst zu beseitigen. In „Nicht noch einen Friedensvertrag. Europa 1942 bis zum Frühjahr 1943“ zeichne ich die Ereignisse bis zum Untergang der sechsten Armee in und rund um Stalingrad nach und mache verständlich, warum der Gedanke entstand, nach dem Kriegsende den Abschluss eines Friedensvertrages in der Machart von 1919 um jeden Preis zu verhindern.

In „Ende und Anfang. Europa in den Jahren 1943 bis 1945“ und den folgenden Bänden zeige ich unter anderem, dass sie ein raffiniertes Parteiensystem aufbauten mit linken und rechten Flügeln, in welchem jegliche Koalition unter jeglichem Kanzler die Teilung Deutschlands weiterführen konnte. Der ewige Widerpart Willy Brandt, den in Bonn kein Mensch außer den Leuten auf der Straße mochte, hatte die Verträge mit dem Osten zu unterschreiben und dann wurde er kaputtgespielt, bis er freiwillig das Feld räumte. Er war nicht gut beraten, als er das Mobbing aus allen Parteien mit Alkohol ertränkte.

Bis 1945 galt für die Londoner Außenpolitik die Strategie der Balance of Powers. Sie war sehr lange und noch im zwanzigsten Jahrhundert aufgegangen: Gemeinsam mit amerikanischen Firmen waren das Deutsche Reich und die Sowjetunion mit technologischer, finanzieller und diplomatischer Unterstützung kriegstüchtig gemacht worden. Im Jahre 1939 wurden Berlin und Warschau durch diplomatische Intrigen in den Krieg miteinander dirigiert und schließlich gelang es, die USA an der Seite Englands in den Krieg hineinzuziehen. Das nimmt kein Gramm der Schuld von Berlin und Warschau, wo die Anführer autoritärer Regime selbst Kriegsgelüste hegten. Allerdings hätte ohne die Hilfe aus dem British Empire und den USA letztlich keines der europäischen Länder einen Krieg gegen ein anderes großes Land führen können.

Die Parallele zu dem heutigen Konflikt zwischen der Ukraine und Russland könnte offensichtlicher nicht mehr sein. Die Parallele zu dem Deutschland unserer Tage aber auch nicht. Der englische Historiker Richard Overy zeigt leider sieben Jahrzehnte zu spät, dass sich Hitler um die Zerstörung Osteuropas bis zur Wolga gekümmert hat und der Demokratieexperte Churchill um die Bombardierung von Nord-, West- und Südeuropa. Dort ging die Hälfte englischer Bomben nieder, die nicht für Deutschland bestimmt war. Doch als sein Buch im neuen Jahrhundert erschien, war die deutsche Jugend schon über einige Generationen auf den Masochismus der Selbstgeißelung dressiert worden, und auf Wissenschaftler hört die Mehrzahl der Leute doch letztlich auch nur, wenn sie in den Medien des Vertrauens dazu aufgefordert werden.

Als der größte Konkurrent Englands und der USA auf dem Weltmarkt, nämlich Deutschland, im Mai 1945 ausgeschaltet war, standen englische Truppen bereit, um im Sommer jenes Jahres gemeinsam mit nicht entwaffneten deutschen Soldaten in Norddeutschland auch das rohstoffreiche Russland auszuschalten. Dass das Land kommunistisch war und unterdessen Sowjetunion hieß, spielte lediglich für die Propaganda eine Rolle. Das zeigt sich spätestens jetzt, wo in Russland die Marktwirtschaft Einzug gehalten hat. Genauso wenig interessiert es die Produzenten der veröffentlichten Meinung, dass man der sowjetischen Staatsführung 1990 zugesichert hatte, dass man die Nato, und somit das friedlichste Militärbündnis der Welt, auf keinen Fall in Richtung Osten auszudehnen im Visier hatte. Was für eine verlogene Bagage. Demokratie wird ja nicht nur hierzulande als das freundliche Aushängeschild schamlos missbraucht.

Der Anschlusskrieg sollte 1945 unter dem denkwürdigen Namen Operation Unthinkable in Szene gesetzt werden, denn die Propaganda musste die Leute in England und Amerika erst einmal davon abbringen, dass Stalins Sowjetunion der siegreiche „Alliierte“ im Krieg gegen Deutschland gewesen war. Hier können Sie einen Blick auf das vergilbte Papier in den National Archives werfen:
https://www.nationalarchives.gov.uk/education/resources/cold-war-on-file/operation-unthinkable/ 

Bis zum Ende des Kalten Krieges 1990 musste der Kriegsplan in einem Archiv des British Empire verstauben. Dann lief die Ost-Erweiterung der Nato an. Jetzt stellt sich die Frage neu: Wer hat denn nun den Grundstein für den Kalten Krieg gelegt und damit viereinhalb Jahrzehnte lang für Frieden in Europa gesorgt?

Mit meiner Bücherserie über das neunzehnte und zwanzigste Jahrhundert sage ich, was professionell bezahlte deutsche Staatshistoriker nicht über ihre Lippen bringen werden: Deutsche Militärspione von der Ostfront oder besser gesagt die Analysten der Spionage unter dem General Reinhard Gehlen haben ab dem Frühjahr des Jahres 1945 den Kalten Krieg organisiert. Anders als in den vom Publikum und gesundem Menschenverstand unabhängigen Medien in dieser Republik findet man in der wissenschaftlichen Literatur, dass Reinhard Gehlen schon Mitte der dreißiger Jahre von Franz Halder in den Generalstab des Heeres berufen wurde, gerade weil er ein Kritiker der Herrschaft Hitlers und der Nazis über Deutschland war.

In „Ende und Anfang“ erlebt das interessierte Publikum die ersten Gespräche Reinhard Gehlens Ende Mai 1945 mit US-amerikanischen Offizieren mit, in denen er sich langsam ihr Vertrauen erschlich und Ihnen gemeinsam mit den anderen Analysten der Spionageabteilung „Fremde Heere Ost“ Lügen über biologische und chemische Massenvernichtungswaffen der Sowjets unterjubelte. Es kann keinen erstaunen, dass Gehlen der Chef des westdeutschen Geheimdienstes BND wurde. Zur Tarnung wurden ausgerechnet er und seine Kollegen von den Medien zu Altnazis aufgebaut. Je größer die Empörung über ihre vermeintliche Vergangenheit war, desto weniger kam jemand im Inland oder gar im Ausland auf die Idee, dass es nach 1945 darum ging, Deutschland wieder in Einzelteile zu zerlegen.

Die Zeit bis 1945 habe ich deshalb nachvollziehbar neu geschrieben, weil mir vielfach nicht geglaubt wurde, dass die Teilung Deutschlands von Deutschen ausgetüftelt wurde, die einerseits nichts machen konnten gegen Hitlers Kriegswahn und andererseits nicht noch so einen ruinösen „Friedensvertrag“ wie 1919 erleben wollten. Wem die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg mit den vielen Hungertoten durch die englische Seeblockade nach dem offiziellen Ende der Kriegshandlungen nicht mehr selbst in seinen Knochen steckt, der kann sich die Stärke dieses Motivs wohl nicht mehr vorstellen.

Ich hoffe, ich konnte Kernaussagen meiner Serie verständlich machen, aber Sie merken ja hier schon, dass es niemanden überzeugen würde, hätte ich meine Thesen nicht in so vielen Episoden und Texten in mehreren Bänden untergebracht und mit Quellen belegt. Wie das dann praktisch weiterging, können Sie in den Nachkriegsbänden gern live und in Farbe miterleben:

„Kontinentaldrift. Deutschland von 1946 bis 1951“

„Auf des Messers Schneide. Wir spielen Risiko. 1952 bis 1960“

„Ein Komet am Himmel. Deutschland von 1961 bis 1969“

„Der Komet verblasst. Unsere Demokratie von 1970 bis 1974“

„Entzaubert. Kohl und Genscher, diese beiden. Das Ende des Kalten Krieges 1989 und 1990“

Diesen 14. Band hatte ich vorab fertiggestellt, solange die Zeitzeugen der Wende 1990 noch leben. Ich wollte mir beim Beschreiben der 1950er Jahre auch die Affendebatten der professionell bezahlten Historiker ersparen, ob Stalins Angebote für die Vereinigung der vier Besatzungszonen in Deutschland ernst gemeint gewesen sein könnten oder ein Trick, um auf diesem Weg die Weltherrschaft zu erringen. Lachen Sie bitte nicht; so weit abseits der Realität in der zerstörten und entvölkerten Sowjetunion wurden die wissenschaftlichen Debatten in der Bundesrepublik jahrzehntelang mit großem Ernst geführt. 1989/90 wurde offensichtlich, woran die Vereinigung in den 1950er Jahren scheiterte. Vielen Bundesbürgern wurde aber bis heute nicht klar, dass sie von ihren Professoren und Doktoren der Geschichte wissentlich an der Nase herumgeführt wurden.

Der 12. und der 13. Band werden in Kürze gedruckt:

„Unsere Demokratie mit Schmidt 1974 bis 1982“

und „Unsere Demokratie mit Kohl 1983 bis 1988“

Mag sein, dass Unsere Demokratie bis zum Ende der Teilung Deutschlands 1990 nicht als eine konzertierte Aktion einer verschworenen Truppe von Journalisten, Publizisten, Historikern, Politikern, Militärs und Geheimdienstleuten erschien wie heute. Aber das ist eigentlich nicht wirklich erstaunlich. Seit dem Ende des Krieges konnten sich Haudegen von Franz Josef Strauß aus dem Kreis der Verschwörer des letzten Staatsstreichversuchs gegen Hitlers Regime vom Juli 1944 bis zu dem tief religiösen, kommunistischen Sozialdemokraten Herbert Wehner (man muss nicht alles verstehen) mit dramatisch inszenierten Redeschlachten in der Öffentlichkeit profilieren. Wer konnte denn auf den Gedanken kommen, dass sie einen Spannungsbogen aufrechterhielten, der Woche für Woche und Monat für Monat Zeit geschunden hat und in dessen Windschatten vier Jahrzehnte lang die Realität zweier Staaten hier in Deutschland für neue Generationen gedeihen konnte? Am Ende war die Hälfte der Bundesbürger so lange in der Zentrifuge geschleudert worden, dass sie die Vereinigung Deutschlands noch nicht einmal mehr in ihr Bild von der Welt „einordnen“ konnten. Allerdings haben ihnen die Medien damals auch noch nicht so brutal wie in der jüngsten Vergangenheit beim Einordnen geholfen.

Wenn es Sie interessiert, berichte ich Ihnen, was mir vor dem Beginn meiner Recherche in staubigen Büchern und Zeitungen über Unsere Demokratie noch nicht bekannt war. Bei Carlo Schmid aus der SPD findet man, dass die Nato als ein Militärbündnis gegen Deutschland und die Sowjetunion gegründet worden war. Witzig war, als ich fand, dass sich der Wehrmachtsgeneral Vincenz Müller führend um Militär auch bei uns in der DDR bemühte – und für den BND gearbeitet hat. Er blieb auch nicht der einzige Akteur, der sich während des „Kalten Krieges“ zwischen den „Supermächten“ als Innenminister der DDR in Kooperation mit dem BND um die Entstehung und Entwicklung eines zweiten deutschen Staates kümmerte. Jetzt ist es kein Wunder mehr, dass der Historiker Christian Hacke die Bundesrepublik mitten im „Kalten Krieg“ als die Weltmacht wider Willen bezeichnet hat.

Daneben haben sich ab 1945 auch die Kirchen in Ost und West rührend um die dauerhafte Teilung bemüht, lange bevor die Alliierten wussten, dass sie bald nicht mehr alliiert sein würden. Schön, dass dieses umfangreiche Thema dann auf vermeintliche Fehltritte des Konsistorialpräsidenten Manfred Stolpe eingedampft wurde. Von den eingeweihten westdeutschen Kirchenmännern war glücklicherweise bei der Geschichtsverkleisterung nach 1990 keine Rede mehr.
 

 

 
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Damit sind wir auch schon bei den eingeweihten Demokraten, bei der Unterstützung des sozialistischen Aufbaus in der SBZ/Ostzone/DDR und den Umgehungen aller Embargos der Amerikaner durch westdeutsche Firmen seit den 1950er Jahren. Da Adenauers CDU die Wahlen von 1949 gewonnen hatte, vertauschte sein Bündnis von politisch rechten Kreisen in der Weimarer Republik kurzerhand die Schwerpunkte in seiner Argumentation gegenüber der Zeit vor Hitlers Reich mit der politisch links ausgerichteten SPD. Während Dr. Konrad Adenauer nun die Rettung der Freiheit über die Einheit Deutschlands stellte, – wem keine schneidige Begründung mehr einfällt, hat verloren, – vertrat auf einmal die alte Tante SPD großdeutsche Thesen. Das war auch gar kein bisschen putzig, nachdem der Vorsitzende der SPD Dr. Kurt Schumacher in vier KZs der Herrenmenschen aus der Volksschule eingesessen hatte. Von ihm hörte man dann Sprüche wie jenen, man wolle mit den Alliierten die erste Schlacht an der Elbe schlagen und die zweite Schlacht an der Weichsel. Das wäre mitten in der neuen Volksrepublik Polen gewesen – fünf Jahre nach dem Ende der Bombardierung deutscher Städte in Grund und Boden. Darauf hatte ganz gewiss ein sehr großer Teil der Leute noch einmal sehr große Lust, oder auch nicht.

1961 hatte das Wahlvolk nach dem Mauerbau der SPD unter ihrem Kandidaten Brandt die meisten Stimmen gegeben. Damals entstand das Wort vom Umfallen der FDP, denn vor der Wahl hatte die Parteiführung eine Koalition mit Adenauer ausgeschlossen, da er gar nichts gegen die Errichtung der Mauer in Berlin unternommen hatte. Nach dem unerwarteten Wahlergebnis wurde einfach neu argumentiert und der deutschlandverliebte Brandt blieb mit seinen Prozenten der Wähler auf der ollen Oppositionsbank hocken. Er bekam früher als die ursprüngliche NPD, die frühen Republikaner oder jetzt die AfD die Brandmauer der verschworenen Demokraten zu spüren. Die NPD wollte Adenauer zum Einsatz gegen die Mauer mobilisieren und die CSU-Abgeordneten, die die Republikaner gründeten, protestierten gegen die Milliarden-Kredite des vermeintlichen Chefantikommunisten Strauß. Der Reihe nach wurde demokratische Opposition im besten Deutschland aller Zeiten schon immer abgewürgt, indem sie an den rechten Rand des Parteienspektrums gedrückt und dann unter gutgläubigem Beifall der Leute vom Spieltisch gestoßen wurde.

1965/66 hätte Brandt wieder der Kanzler in Bonn werden können, doch da kam ausgerechnet Helmut Schmidt (SPD) auf den rettenden Gedanken, wie der in der SPD beliebte Parteichef Brandt ausmanövriert werden konnte. Sicherlich hatte er rechnerisch mehr Stimmen in der Tasche als die CDU. Aber wenn man es sich einmal richtig überlegte, konnte man die Stimmen für die CSU und die CDU einfach zusammenziehen und schon hatte Willy Brandt eben nicht mehr genug Stimmen bekommen. Das führte seinerzeit zur Bildung der Fraktionsgemeinschaft dieser zwei Parteien. Das flog auf, als Angela Merkel als Kanzlerin verhindert werden sollte. Da wollte man die Liaison am liebsten einfach wieder lösen. Wie Sie an dieser Stelle sehen, ist Geschichte gar nicht das langweiligste aller Hobbys. Sie sehen auch, dass es nicht verkehrt ist, wenn man Bücher liest und sich erklärende Texte zu jeder Zeit aufhebt. Wenn Sie heute in die „aktualisierte“ Wahrheit im Internet schauen, soll es diese Fraktionsgemeinschaft schon seit der Steinzeit gegeben haben.

Als das Wahlvolk den Blindgänger Willy Brandt 1969 zum dritten Mal mit den meisten Prozenten ausstaffiert hatte und er dann doch noch eine Koalition zusammengebracht hatte, holten sie beim BND die Liste mit den bekannten Spiogenten aus Ost-Berlin aus dem Ärmel. Günter Guillaume wurde am 1. Februar 1970 rückwirkend zum 1. Januar in Bonn eingestellt. So konnte man später sagen, Brandt sei von Anfang an von Ost-Berlin überwacht worden. Damit hatte Brandt zu jeder Zeit einen Sprengsatz unterm Tisch, den man zünden konnte, hätte Brandt einen falschen Schritt getan.

Über die folgenden Jahre hat man zuerst mit harmlosen Mitteln versucht, ihn zu verscheuchen. Man bemühte ein verdammt konstruktives Misstrauensvotum, trieb dieses Spiel bis zu Neuwahlen und bedrängte Brandt monatelang mit dem Angebot, er könne doch auch auf dem Thron des Bundespräsidenten abgesetzt werden. Als alles nichts half, wurde endlich unser Agent Günter Guillaume „enttarnt“, den der Personalrat des Bundeskanzleramtes 1969 schon nicht haben wollte, weil er lediglich über den Bildungsabschluss der achten Klasse einer Volksschule verfügt hatte. Es war gewissermaßen eine übermäßige Überraschung, dass Helmut Schmidt nach dem Deutschlandliebhaber Brandt das Ruder in Bonn übernahm.

Kommen wir an dieser Stelle wieder auf Unsere Demokratie zu sprechen, die sie jetzt um jeden Preis vor dem Wahlvolk retten wollen. Von Prof. Dr. Heinrich August Winkler habe ich als ein Mann mit der Gnade der späten Geburt erfahren, dass die Experten des Klubs Unserer Demokratie in jenen Jahren einfach die Seiten gewechselt haben. Dieser Experte diagnostizierte für die Zeit ab 1969 einen Links-Rechts-Rollentausch, den er ja 1949 schon einmal im Vergleich mit den Jahren vor 1933 festgestellt hatte. Es will mir nicht in den Kopf gehen, wie hunderte Journalisten, Publizisten und nicht zuletzt auch Politiker ihre linken oder rechten Überzeugungen binnen kurzer Frist ohne Absprachen miteinander an den Nagel gehängt und mit ihren „Kontrahenten“ ausgetauscht haben sollen. Die CDU stellte nun nicht mehr die Freiheit vor die Einheit des Landes, sondern beharrte wie besessen auf dem „Offenhalten der deutschen Frage“ einschließlich Ostpreußens, Pommerns und Schlesiens, und die SPD-Führer traten nun Willy Brandt mit der Forderung nach der Anerkennung der DDR und ihrer Staatsbürgerschaft auf seinen Füßen herum. Kohl trieb das Spiel gar bis zu einem Staatsbesuch Honeckers in Bonn.

Die Bände meiner Serie drehen den Spieß um und werfen die Frage auf, ob die jetzigen Parteien der Demokratieexperten wegen des Missbrauchs des Grundgesetzes nicht viel eher verboten werden sollten als eine Partei, die endlich Demokratie einfordert. Es sollte eigentlich schon zu denken geben, warum Demokratie und Populismus in einem großen Widerspruch zueinander stehen sollten. Das altgriechische Wort demos bedeutet Volk und die alten Römer verwendeten für das Volk dann populus. Im Deutschen nennt man die Abstellfläche für das Mittagessen Tisch und im Englischen heißt das Ding table. Den Unterschied in der Sache lasse ich mir bei Gelegenheit mal von klugen Leuten erklären.

Jedenfalls wird es kein Zufall sein, dass das Vertrauen der Bevölkerung in die Demokratie und demokratische Institutionen immer tiefer in den Kohlenkeller gewandert ist. Es kann ja nicht richtig sein, dass die Regierung die Wahl einer Partei bloß noch verhindern kann, indem sie ein Jahrzehnt lang einbläut, diese Partei wolle alle Ausländer dahin schicken, wo die Deutschen Urlaub machen. Die Schreckhaften in der Bevölkerung lassen sich ja auch nicht von der x-ten Richtigstellung aus dieser Partei heraus wieder von der Propagandalüge abbringen.

Wollen wir doch einmal sehen, ob man nicht auch die älteren Wähler jener Parteien, die in der Bundesrepublik eine Scheindemokratie in Szene gesetzt hatten, noch für die Wahl der AfD gewinnen kann. Wer von ihnen hat sich denn nach ’90 nicht gewundert, als nach der Vereinigung der zwei real existierenden Staaten in Deutschland im Handumdrehen der Dauerbrenner Schlesien, Pommern und Ostpreußen aus den Medien des Vertrauens verschwunden war? Während bis 1990 Nazis und der Revanchismus stets Probleme der westlichen Bundesländer gewesen waren, wurden von heute auf morgen die Deutschen zwischen der Ostsee und dem Vogtland als Nazis „eingeordnet“, wenn sie nur weiter das alte Wort Volk im Munde führten. Es spielte ja auch keine Rolle, dass dieses Wort in der DDR im Sinne von Obrigkeit einerseits und das Volk andererseits verwendet wurde.

Man musste schon linksradikale Schriften konsumiert haben, um zu wissen, dass das alte Wort Volk im Westen ethnisch verstanden wurde und inzwischen zu einem Unwort avanciert war. Verschaffen Sie sich einfach in diesem oder jenem Band einen eigenen Eindruck. Schlagen Sie auf, wo Sie möchten, und Sie finden seit dem Kriegsende immer wieder die gleichen Motive.

Viel Spaß beim Schmökern in diesem oder jenem Band wünscht Ihnen Reinhard Leube.

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Zu dem schönen Bild unten nochmals der Link, wo Sie alle diese Bücher finden, die Ihr Geschichtswissen auf den Kopf stellen werden:
https://anderweltverlag.com/ 
Und bitte daran denken: Jeder einzelne Band von Leubes Werken ist mit mehr als 500 Quellen belegt.
 

 
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anderweltonline.com
 

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