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25.01.2018  17:40
Wirtschaftsforum in Davos
"Es ist eine Show-Veranstaltung"

Der Ökonom Heiner Flassbeck hält das Wirtschaftsforum in Davos für überschätzt: "Die Forderungen, die da gestellt werden, werden nie weiterverfolgt", sagte der ehemalige Staatssekretär im Dlf. Von dem ursprünglichen Gedanken des Gipfels, die Welt zu verbessern, sei nichts mehr übrig... [Quelle: deutschlandfunk.de]  JWD
 


Screenshot | Quelle: weforum.org



Screenshot  | Quelle: twitter.com/realDonaldTrump



Screenshot  | Quelle: twitter.com/realDonaldTrump



Screenshot  | Quelle: twitter.com/realDonaldTrump

Trump 24.01.2018:
 "Will soon be heading to Davos, Switzerland, to tell the world how great America is and is doing. Our economy is now booming and with all I am doing, will only get better...Our country is finally WINNING again!"
 

Fortsetzung - Es ist eine Showveranstaltung -:

[...] Heinlein: Sie kennen Davos aus eigener Erfahrung. Sie waren viele Male mit dabei in den Schweizer Alpen. Welchen Stellenwert hat Davos im internationalen Konferenzkalender?

Flassbeck: Na ja. So viele Male war ich nicht dabei. Ich war dabei, aber nicht so viele Male.

Audiodatei

Quelle: deutschlandfunk.de  |  veröffentlicht 24.01.2018

Heiner Flassbeck im Gespräch mit Stefan Heinlein

Der Stellenwert? - Sehen Sie, man darf das nicht überschätzen. Es wird grandios überschätzt, die Möglichkeit oder die Fähigkeit der Politiker dort, sich wirklich miteinander auseinanderzusetzen oder mit der Wirtschaft auseinanderzusetzen.

In Wirklichkeit ist es so: Man fährt hin, gibt seine Rede, macht vielleicht noch ein Abendessen und dann ist gut. Dass das weiterführend wäre als wirkliche internationale Verhandlungen wie etwa im Rahmen der G20 oder so, das darf man einfach nicht glauben. Das ist eine grandiose Illusion. Das ist ein gesellschaftlicher Event und die politischen Folgen dieses Events – das haben wir über viele Jahre jetzt beobachten können – sind ungeheuer gering.

"Es ist eine Show-Veranstaltung"

Heinlein: Ein gesellschaftliches Event? Nur eine Show-Veranstaltung für schöne Bilder?

Flassbeck: Ja, so ist es. Um ganz klar zu sagen: Es ist eine Show-Veranstaltung. Auch die Forderungen, die da gestellt werden, werden nie weiterverfolgt. Es gibt kein follow-up, wie man im Englischen sagt. Es gibt kein follow-up von Davos, sondern es gibt einmal die schönen Bilder, einmal die schönen Forderungen, und dann verpufft das alles bis zum nächsten Jahr, bis man wieder den Eindruck erweckt, die Mächtigen der Welt kümmern sich um euch kleine Leute und wir denken auch darüber nach, wir gehen extra in einen so schrecklichen Ort wie Davos, um das zu tun.

Heinlein: Warum sind Sie dann damals hingefahren?

Flassbeck: Weil man als Staatssekretär hinfahren muss. Man hat kaum eine Möglichkeit. Entweder der Minister fährt, oder der Staatssekretär fährt. Und wenn man nicht fährt – und das war ja eine neue Regierung damals 1999 -, dann würde man ja den Eindruck erwecken, dass man da etwas zu verbergen hat. Es ging ja darum, für unsere Position zu werben.
"Es ist viel steriler, als man sich das vorstellt"

[...] Flassbeck: Die eigentliche Arbeit im Vorfeld haben dann Staatssekretäre und andere Sherpas gemacht?

Flassbeck: Andere haben darüber diskutiert, aber die haben auch meistens nur darüber diskutiert, was in den Zetteln stehen soll, damit es keinen Konflikt oder sonst was gibt. Ernsthafte sachliche Auseinandersetzung findet praktisch nicht statt.
"Davos ist eine Beruhigungsveranstaltung"

[...] Heinlein: Der eigentliche Gedanke von Davos, wenn wir zurück zu den Anfängen gehen, 1971 – der Gründer war Klaus Schwab, ein deutscher Professor -, war ja, den Zustand der Welt zu verbessern. Davon ist nicht mehr viel übrig geblieben?

Flassbeck: Nein, da ist nichts übrig geblieben. Heute ist Davos wirklich eine – ich sage es noch mal relativ brutal – Beruhigungsveranstaltung. Man erweckt den Eindruck, die Großen der Welt machen sich Gedanken, auch über progressive Themen wie die Ungleichheit. Aber was wird jetzt aus der Ungleichheitsdiagnose von Herrn Schwab folgen? – Nichts, nichts, absolut nichts.

"Papiere, die da kursieren, gehen alle irgendwo unter"

Das ist das, was man eigentlich beklagen muss über Davos, dass es so eine Show-Veranstaltung ist und nicht wirklich hinterher in der Politik etwas davon umgesetzt wird. Auch die Papiere, die da kursieren und geschrieben werden, die gehen alle irgendwo unter. Ich habe noch nie erlebt, dass ein Davos-Papier oder ein World Economic Forum Papier irgendwo eine politische Rolle gespielt hat.

Heinlein: Sie haben den Bericht des Kollegen Martin Ganslmeier aus Washington im Vorfeld gehört. Da hat er geredet vom Mekka der Globalisierung. Davos wäre das Mekka der Globalisierung, ein Treffen der Freihandelselite. Sind tatsächlich diese Globalisierungsbefürworter, diese Freihändler unter sich?

Flassbeck: Na ja, zum großen Teil natürlich. [...]

Heinlein: Ist es vor dem Hintergrund dieses Zustands, den Sie gerade beschreiben, vielleicht sogar ganz erfrischend, dass in dieses Mekka der Globalisierung dann ein Protektionist wie Donald Trump kommt?

Flassbeck: Ja! Aber sehen Sie, sie verwenden auch die Worte so einfach: Protektionist. Wenn jemand keine Leistungsbilanzdefizite haben will – und darum geht es in den USA -, ist er noch kein Protektionist, sondern dann ist er vielleicht der wahre Freihändler. Derjenige, der seine Überschüsse mit Zähnen und Klauen verteidigt wie Deutschland, ist kein Freihändler, sondern ist ein Merkantilist, auch ein Protektionist, ein Protektionist seiner eigenen Interessen. Das ist auch kein Freihandel.

Nur darüber müssten wir uns auseinandersetzen, aber das tun wir nicht. Wir verteilen dann wieder so einfache Wertungen, der Protektionist, der Böse, der den Handel einschränken will. Aber das ist leider auch nicht die Wahrheit und man müsste eigentlich viel tiefer gehen. Nur es wird kein Forum geboten, wo wenigstens die Öffentlichkeit oder die interessierten Menschen mal sehen können, was eigentlich dahinter steht.

Heinlein: Ich habe das jetzt nicht ganz verstanden, Herr Flassbeck. Schutzzölle auf Waschmaschinen und Solaranlagen, wie Donald Trump es jetzt ankündigt, ist das prinzipiell der richtige oder der falsche Weg für fairen Handel?

Flassbeck: Nein, das ist erlaubt. Das ist im Rahmen der Welthandelsorganisation absolut erlaubt. Wenn ein Land ein fundamentales Ungleichgewicht hat, dann kann es etwas dagegen tun, und das ist noch nicht Protektionismus. Und wie gesagt, wenn ein anderes Land wie Deutschland einen riesigen Überschuss hat, den größten der Welt hat – Deutschland hat den größten Leistungsbilanzüberschuss der Welt -, und andere Länder sich dagegen wehren, dann ist das überhaupt kein Protektionismus, sondern das ist absolut im Rahmen der Freihandelsregulierung, wie sie in der Welthandelsorganisation niedergeschrieben ist. Das ist erlaubt! Das sind Schutzmaßnahmen gegen aggressive Exporteure.

Deutschland - ein wirtschaftlicher Aggressor

Heinlein: Ist Donald Trump prinzipiell mit seiner Wirtschaftspolitik auf dem richtigen Weg?

Flassbeck: Nein, prinzipiell mit seiner Wirtschaftspolitik nicht. Aber im Handel hat er einen Punkt, den man nicht einfach bei Seite schieben kann. Sonst ist die Wirtschaftspolitik wie der Rest auch von Donald Trump nicht sehr rational. Aber im Bereich Handel kann man nicht einfach sagen, er ist der Protektionist und die anderen sind die guten Freihändler. Das stimmt so nicht.

Weiterlesen im vollständigen Originaltext bei ' deutschlandfunk.de ' ..hier
 


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